Wer fällt muss auch wieder aufstehen

In den vorangehenden Seminaren zu einem organisatorisch durchgeführten Auslandsaufenthalt wird man darauf vorbereitet, dass man die Zeit häufig in einer recht gleich aussehenden Stimmungskurve beschreiben kann.
Kulturschock
Die erste Zeit/Honeymoon Phase:
Ich komme an und alles ist aufregend. Von Heut auf Morgen bin ich aus dem gerade kalt werdenden Heimathafen Berlin in ein Land des globalen Südens gezogen.
Ich bin in den Tropen. Die Hitze in Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit drückt. Ich wünschte mir die Kleidung wäre nie Erfunden.
Die Kultur, in der ich hier lebe, ist eine komplett Andere als die aus der ich komme. Die Sprache auch.
Ich spreche sie nicht und blubbere einen bunten Mix aus den wenigen brocken Spanisch und wahlweise Französischen und Englisch Vokabeln die mir plausibel erscheinen, natürlich irgendwie spanisch ausgesprochen, daher.
Die Arbeit die ich mache ist komplett anders und das gefühlte Gegenteil von dem was ich mein komplettes Leben davor, zumindest die letzten 12 Jahre in der Schule, gemacht hab.
Man kann es sich vorstellen.

Es gibt genügend Aufregendes zu entdecken, bevor man seine ersten Probleme bewältigen muss, die sich im schlimmsten Fall häufen und einen die Heimat, die Familie, Freunde und Nutella, dass man vorher eigentlich fast nie gegessen hat, extrem vermissen lässt.

Dann ist man in der zweiten Phase angekommen, dem Low das nach dem ersten High kommt. Das eine solche Phase eintritt ist normal, die Frage ist nur wie stark ausgeprägt sie ist.
In meinem Auslandsjahr in den USA zum Beispiel habe ich sie kaum mitbekommen. Nach der anfänglichen Eingewöhnungsphase hatte ich gute Freunde gefunden, die Snowboardsaison fing an, ich hatte mein Kunstspringertraining, meinen entspannten Unterricht, liebenswerte Gastfamilie, etc.
Kurzum, war ich dort nach der Eingewöhnungsphase auch irgendwie angekommen, hatte meinen Platz gefunden und mich mit dem was ich machte angefreundet und hatte eine abwechslungsreiche Zeit.

Anders war es dieses Mal.
Das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren hat dafür gesorgt, dass ich es nicht so leicht hatte. Das hängt zum Einen mit der Sprache zusammen, die schließlich der Schlüssel zu den Menschen ist,
Zum Anderen mit den geophysischen Gegebenheiten und der Stadt, aber dazu später mehr.

Ich konnte vor der Abreise gerade eine Hand voll Vokabeln und hatte mich der Empfehlung eines Freundes leider nicht angenommen und vorher schon einen Spanischkurs angefangen.
Auch wenn man schnell lernt, kommt man meist nicht umhin in einige Missverständnisse verwickelt zu werden.
Bei mir haben die sich in der Gastfamilie so stark angehäuft das ich nun schlussendlich Ausziehen sollte und dies auch gern gemacht habe.

Ich habe in meiner Arbeitsstelle das ein oder andere falsch gemacht und mich das ein oder andere Mal mit meinen Chefs gestritten. Ich hatte unentspannte Arbeitszeiten, Montags bis Samstags, und jeden Tag so, dass ich fast nur für die Arbeit aus dem Haus gegangen bin.
So hatte ich am Wochenende meist keine Zeit um mal raus ins Grüne zu kommen.
Die nächsten angenehmen und interessanten Orte, wie Samaipata in den Bergen oder die heißen Quellen von Roboré sind eine gute halbe Tagesreise entfernt.

Schnell fing ich an die Stadt zu erkunden und hielt dabei insbesondere nach Parks und Grünflächen Ausschau.
Allerdings ist das Verständnis von Parks hier ein anderes als bei uns. (BILD von Park)
Wie man sich sicher vorstellen kann ist das nach einer Zeit ziemlich deprimierend.
Ich wusste mir fehlt hier etwas konnte es aber lange nicht betiteln.
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Typischer Park. Vier Ecken, wenig Grün, kleiner ‘Spielplatz’

Dann kam La Paz um kurz nach Weihnachten. Mein erster längerer Urlaub, der mir ziemlich gut getan, und mir einiges offengelegt hat.
Ich sah auf einmal wieder Relieff und hohe Berge auf dem Weg dahin. Und in La Paz angekommen war alles so durcheinander und unstrukturiert. Die Straßen verlaufen nicht gerade wie Lineale und gehen mal steil bergauf oder bergab. Man hat Treppen die, die Kesselwände von La Paz hinaufführen und bekommt desöfteren atemberaubende Aussblicke über die Dächer der Stadt.
Die Temperatur Tagsüberwar jetzt in den Sommermonaten sehr angenehm und die abends einsetzende dämpfende Kühle war ein lang vermisstes kleines Detail.

Santa Cruz war mein Problem. Die Stadt hatte mich verschlungen und mir mein Freiheitsgefühl genommen.
Ich fing an mit Wechselgedanken zu spielen.

Anekdote:
Es ist schon Interessant was für eine Auswirkung das Klima, Stadtbild und die geologischen Gegebenheiten auf das Lebensgefühl und die Psyche haben können. Es ist mir vorher nie so bewusst geworden, aber diese Faktoren machen neben den Einwohnern den Charakter einer Stadt aus. Wenn man sich dann täglich mit diesem Stadtcharakter konfrontiert sieht, wird der eigene Charakter davon geformt.
‘Berlin ist schuld’, ist eine phrase die ich mal auf einem Aufkleber gesehen habe.
Ich verstehe das als eine (scherzhafte) Entschuldigung für die Entwicklung bestimmter eigener Charakterzüge aufgrund des Stadtcharakters.
Berlin ist dabei eine sehr besondere Stadt für mich.
Man hat vor allem einzigartig viele Parks und Grünflächen im Stadtbereich. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten und das Aussehen verschiedener Stadtteile nimmt ein viel weiteres Spektrum an als ich es hier erlebe.
Deshalb sehe ich es für mich so:
Santa Cruz ist schuld, dass mein Lebensgefühl hier gerade nicht so geil ist, aber vor allem ist
Berlins Prägung schuld, dass mein Lebensgefühl hier gerade nicht so geil ist.
Hach ich vermiss deinen Charakter Berlin!

Kurz nach Neujahr bin ich in eine unorganisiertes Projekt zurückgekehrt.
Eigentlich sollte ein zweiter Teil von der bereits im Dezember, am Anfang der Sommerferien, durchgeführten ‘Escuelita de Arte’ stattfinden.
Die wurde allerdings vorher nicht Promotet wodurch wir zum Ende der ersten Woche kaum, bis immer noch keine Kinder in den Kursen eingeschrieben hatten. So hatte es sich mit dem Zwischenseminar das eine Woche später angefangen hat nicht mehr wirklich gelohnt etwas anzufangen.
Lange Weile stellte sich ein, mit einer immer größer werdenden Vorfreude auf das bevorstehende Seminar.

In Sucre, auf dem Seminar, manifestierte sich mein Wunsch zu wechseln. Auch hier hat die unmittelbare Natur mehr zu bieten und das Klima hatte es mir angetan. Eher gemäßigt, nicht so heiß wie in Santa Cruz.
Ich habe außerdem Gemerkt, dass die Luft um einiges besser ist und man nicht die ganze Zeit high von den Abgasen wird. Vorteilhaft bei meiner zwar subtilen, aber dennoch chronisch diagnostizierten Bronchitis, dachte ich mir.

Auf dem Zwischenseminar kam auch Fernando vorbei, der BKHW Chef in Bolivien ist und gab uns einige Infos. In seinem Vortrag sprach er auch die Wechselthematik an, die bei unserem Jahrgang eine größere Rolle zu spielen scheint und das dies zwar schwierig, aber nicht unmöglich sei.
In einem späteren Privatgespräch mit ihm meinte er zu mir, dass man schauen müsste welche Probleme ich hätte, und wenn die nicht zu lösen wären, ein Wechsel natürlich möglich wäre.
Cool, dachte ich mir.

Gründe hatte ich schließlich genug.
Ich hatte durch die anfängliche Sprachbarriere, dem fehlende Kulturverständnis und den daraus resultierenden Missverständnissen bei vielen Leuten in meinem Umfeld keinen Stein im Brett.
Hinzu kamen die weniger relevanten Probleme im Projekt sowie meine Sorgen um meine Lunge, die mir mein Lungenarzt mit einem Attest als unzumutbar bescheinigt hat,
und die eher relevante psychische Belastung durch ein fehlendes Freiheitsgefühl in den Straßen von Santa Cruz.

Angetan von Sucre blieb ich nach dem Seminar ein wenig länger und nahm die Chance war mir zwei der Projekte dort anzuschauen. Dabei stellte sich heraus, dass in dem einen von beiden, das was mir besser gefiel, ein Freiwilligenplatz frei war, und ich laut Verwalter und der ehemaligen Chefin (das Projekt hat Aktuell keinen ‘Chef’) gerne gesehen würde. Genug Arbeit gäbe es und auch eine Wohnung oder Zimmer hätte man für mich.
Geil, dachte ich mir.

Guter Dinge machte ich mich nach meiner Rückkehr daran meine Gedanken zu ordnen und eine e-Mail zu verfassen die meine Situation hier beschreibt und inkludierte meine neu gewonnen Erkenntnisse über die mögliche Freiwilligenstelle in Sucre. Sie ging raus an den Chef in Deutschland, da in einem ähnlichen Fall ein guter Freund und Mitfreiwilliger so schon eine Zusage bekommen hatte, und ich mich mit meinen Koordinatoren hier wegen meiner vorherigen Problemchen nicht auf einer Wellenlänge sah.
Nichtsdestotrotz entschied ich mich am nächsten Tag sie doch noch weiterzuleiten an Fernando in Sucre und meine Koordinatoren Kathrin und Toti hier.
Aufgeregt schaute ich in den nächsten Tagen mehrmals täglich in mein Postfach.

Die Antwort ließ lang auf sich warten und wurde mir bei einem privaten Treffen in der Innenstadt beigebracht.
Ich dürfe nicht wechseln. Das habe es noch nie gegeben mit Stadtwechsel und dieses Jahr wollen es gleich 4 Freiwillige machen. Es sei ein Präzedenzfall und man wolle es generell nicht zulassen. Sonst kämen ja am Ende alle an und wollen das. Man fühle sich überfahren und durch meine Recherchen vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich würde dort doch nur wieder in andere Fettnäpfchen treten. etc…

Letztendlich haben wir gute 3 Stunden diskutiert und mir blieb am Ende nichts anderes üblich als einzulenken. Einen kurzzeitigen Aufenthalt von 1-2 Monaten um mal ein wenig Abstand von Santa Cruz zu bekommen wollte man mir auch nicht gewähren. Man ließ nicht mit sich Reden.

Ich finde das heute weniger deshalb dramatisch, dass ich persönlich nicht wechseln darf als eher das man es generell nicht gestatten möchte. Natürlich müsste man sich jeden Fall im Einzelnen anschauen, aber wenn man echte Gründe hat und diese sich nicht anders Lösen lassen, sehe ich eine Organisation in der Pflicht sich eines solchen Falles anzunehmen.
Und natürlich kann man immer auch einfach sagen, dass man auch mal mit scheiß Situationen klarkommen muss, das muss man wohl. Aber wenn man eigentlich sieht, es geht, und es das dann nicht tut, weil man die koordinatorische Arbeit nicht leisten möchte, fühle ich mich im Stich gelassen.

Da ich mich nun mit dieser Situation arrangieren muss setze ich alles daran mir die Umstände hier zu verbessern. Das hat auch schon eine gute Richtung eingeschlagen, da wir im Projekt eine neue Aufgabe für mich gefunden haben, die ich nun halbwöchentlich mache. Ich helfe einem mit den Kollektiv verknüpften Künstler dabei seine Werkstatt mit aufzubauen in der er bildhauerisch tätig ist und in naher Zukunft Metalle wie Bronze einschmelzen und Skulpturen gießen möchte.
Die Stimmungskurve steigt wieder an, ich erhole mich.

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Arbeit und Freizeit in der ersten Zeit. Work and freetime in the first months

Eines kann ich euch sagen, ich hatte lange nicht eine so voll gepackte Woche wie hier.
Ich muss an 6 Tagen in der Woche, Montags bis Samstags, arbeiten.
“Arbeiten.”
Kann ich das überhaupt so nennen, was ich hier mache?

In den ersten Wochen war es schwer sich zu verständigen.
Ich bin hier her gekommen mit im Grunde genommen keinen Kenntnissen in Spanisch, meinem Englisch und den paar brocken Französisch die ich aus der Schule mitgenommen habe.
Mit Händen und Füßen hat es dann doch irgendwie geklappt wobei ich vermutlich das ein oder andere Mal nicht ganz dem entsprach was von mir erwartet wurde.
Schon in der ersten Woche hab ich bei ARTErias Douglas getroffen, der sich zu einem guten Freund entwickelt hat. Er war selbst für 1 Iahr in Italien und ist ein wenig in Europa herum gereist weshalb er ein gut verständliches Englisch spricht.
Ich war ganz schön aus dem Häuschen als sich herausstellte das er ebenso interessiert ist an Parkour wie ich und just in dieser Zeit einen Parkourkurs anfangen wollte.
Perfekt!

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Zwei Kinder üben das Balancieren mit mir/Two kids are balancing with me

Mit dem wenigen was er und ein Kumpel schon an Hindernissen zuhause für privaten Gebrauch konstruiert hatten fingen wir also an, am Samstag den Interessierten einige Basics beizubringen. Am Anfang waren es gerade eine Hand voll Kinder denen man erst einmal erklären musste was Parkour überhaupt ist.

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Teilnehmer eines der ersten Workshops mit Douglas in der Mitte/Participants from one of the first workshops

Aber die kindliche Freude und Neugier an Neuem scheint ohne Grenzen. Schon sechs Wochen später waren es 35!
Die Teilnehmerzahl der Kinder und Jugendlichen hat sich vom einen auf den nächsten Samstag explosionsartig vermehrt. Es war so unwirklich, den ersten Samstag an dem es so viele waren.

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Workshop wird gut besucht./Workshop is well visited 

 

Mit dem großen Interesse folgt nun auch größere Verantwortung und so setzen wir alles daran das ganze seriöser und professioneller zu gestalten.
Die Kinder zahlen mittlerweile einen kleinen Obolus(10Bs~1.3€) für jeden Kurs damit wir Material kaufen können um neue Hindernisse zu konstruieren.
Wir haben die Eltern über die sportlichen Tätigkeiten ihrer Kinder in Kenntnis gesetzt und sind nun dabei unter der Woche neue Hindernisse, aus dem Wenigen was wir hier haben, dem was wir auf der Straße finden und dann gegebenenfalls noch dazu kaufen müssen, herzustellen.
Und so hat sich mit meinem Hobby Parkour der Großteil meiner Arbeitszeit gefüllt.
Woche für Woche konstruieren wir neues und sind nun am planen das wir das in ein anderes Projekt, eine Tischlerei, verlegen. Dort bieten sich durch die vielen Werkzeuge schlichtweg bessere Möglichkeiten effizienter zu arbeiten.
Unser Ziel ist es nun hier einen Fest installierten Parkourspielplatz zu planen und diesen über Spenden und Unterstützungsgelder von offizieller Seite zu finanzieren. Es wäre ein Traum zu wissen das durch meine Mithilfe ein fester Trainingsplatz etabliert würde an dem sich die Heranwachsenden der Gegend am Nachmittag auspowern können.

Mit den öffentlichen Trainingsmöglichkeiten tut es sich nämlich ziemlich rar hier in Santa Cruz, oder wie es Douglas einmal in Worte gefasst hat:
“Santa Cruz is Anti-Parkour”, wobei er Bezug auf den vielen Stacheldraht, die elektronischen Drähte und improvisierten Scherben, auf den Grundstücksmauern im Stadtbild von Santa Cruz Bezug nam.
Die Spielplätze sehen hier aus als hätten sie schon einige Jahrzehnte hinter sich und eignen sich kaum zum trainieren.
Die einzigen Stellen die sich dann doch ganz gut machen sind die Ränge und der Eingangsbereich des Stadions(Estadio Ramon Tahuichi Aguilera) in das man unter der Woche kostenlos gehen kann, der Parque Urbano mit einigen schönen Bäumen und der Parkplatz und Eingangsbereich des Palacio de Justicia, einem Bürohochhaus der Justiz.
An eben diesen Stellen trainieren wir in der Regel Montags, Mittwochs und Sonntags.
Viel mehr Zeit unter der Woche Anderes zu machen bleibt leider nicht!

Durch meine Arbeitszeiten schaffe ich es meist nicht vor 18-19 Uhr zuhause zu sein. Sich dann nach einem Arbeitstag noch einmal aufzuraffen und den Weg in die Stadt auf sich zu nehmen ist mir oft zu anstrengend weshalb ich dann meistens bei mir zuhause verweile oder im Barrio (Viertel) bleibe.
Das ist aber auch nicht allzu schlimm. Ich lerne mit mir selbst allein zu sein, quatsche mit meiner Mitbewohnerin oder der Familie und gehe neben anderen Dingen, meinem Hobby, der Herstellung kleiner Ledertäschchen nach.
Am folgenden Tag ist schließlich auch wieder ein neuer Arbeitstag.

Neben meinen Tätigkeiten rund um Parkour mache ich ab und zu mit meiner Kamera Fotos oder nehme Videomaterial für ARTErias auf.
Einen kleinen Videoclip den ich so über den Parkourworkshop angefertigt habe könnt ihr euch gerne hier anschauen.

Wie man sich sicherlich vorstellen kann macht mir so das arbeiten hier ziemlich viel spaß.
“Arbeiten”, ein in unserer Gesellschaft oft so negativ belasteter Begriff definiert sich hier neu für mich. Er bedeutet eine Menge Raum zur Selbstentfaltung. Man hat für alles was zutun ist Zeit, es sei denn die Kommunikation stimmt nicht. Ich kann meinen Hobbys nachgehen und sehen, wie das was man macht, Früchte trägt.
Ein schönes Gefühl!
Einzig und allein die Arbeitszeiten hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack, weniger wegen des langen Arbeitstages sondern eher wegen der regelmäßigen Arbeit am Samstag.
Dadurch ist es bislang schwer gewesen hier mal für ein Wochenende raus zu kommen und irgendwo im Grünen die Seele baumeln zu lassen. Viele Grünflächen hat Santa-Cruz leider nicht und das Verständnis von einem Park ist hier eher anders… Viel Asphalt, wenig Rasen und einige Bäume.
Das geht ein wenig aufs Gemüt weshalb wir den Parkourkurs in den bevorstehenden Schulferien nur unter der Woche durchführen und im kommenden Jahr wohl nur abwechselnd Samstags stattfinden lassen, damit das Wochenende offen für abenteuerliche Ausflüge ist.

 

 

English version:
There is one think i can tell you guys, I’ve never had a packed week like that ever in my life.
I’m working 6 days a week, from Monday to Saturday.
“Working.”
Can I even call it like this, whatever I’m doing here?

In the first weeks it was quite hard for me to communicate.
I came here with not even basic knowledge in spanish, with my english and the very basic french I could remember from school.
With tooth and nail the communication somehow managed to work out anyways even though I may not have done everything right, not grasping the details of what was said.
During the first week at ARTErias I got to know Douglas who became a good friend by now. He himself was in Italy for 1 year and traveled around Europe for a bit and can speak a basic, but articulate English.
I was pretty freaked out as he turned out to be passionate about Parkour as well and was just about to start a workshop for kids at our facility.
Perfect!

With the few obstacles he and a friend constructed beforehand for private training, we started to teach the interested kids the very basics in Parkour.
At the beginning it where only a hand full of kids, kids that didn’t even know what Parkour was.

But childish joy and curiosity about anything thats knew seems to be boundless, and believe it or not, 6 weeks later we had around 35 kids signed up!
From one Saturday to the other the number just exploded. It felt really unreal, the first day it where so many.

With the big interest for our workshop we have to take a lot more responsibility now and therefore try to organize the classes more serious and professional.
The children now pay a mite (10Bs~1.5$) every time they attend, to enable us to designing more barriers and buy the necessary materials. We’ve informed the parents about their children’s new hobby and are now busy building more obstacles during the week basically from scratch like tires, wood and old metal bars, most of which we found in the streets.
And this is how my hobby Parkour became my number one priority at work.

Week for week we come up with new ideas and are now trying to “outsource” parts of the construction into another social project for disabled people with a cabinetmaker’s workshop, just for the good reason that there are more and better tools to use and work more efficiently.
Our overall goal now is to build a Parkour playground in the facility and to raise funds privately and by officials to finance it.
It would be a dream to know that through my work here a practice venue could be established that adolescents can use in the afternoons to let of steam.

Because it is quite sadly fact, that practicing venues, nice explorable Urban Settings are getting quite rare here in Santa Cruz. And at this point I’d like to quote Douglas who said that “Santa Cruz is Anti-Parkour”, referring to to the barbwire, the electric fences and improvised pieces of glass on the boundary walls, found everywhere in the cityscape here.
The prime years of the playgrounds are long gone, playgrounds that don’t fit the purpose of parkour training.
Only rarely you can find spots, like the bleachers and entrance area of the stadium (Estadio Ramon Tahuichi Aguilera) where its possible to go for free during the weekdays, the “Parque Urbano” with a nice set of trees, and the entrance area and parking space of the “Palacio de Justicia”, an office tower of the justice, which are suitable for exercise.
In these areas we normally train on Mondays, Wednesdays and Sundays.
Doing a lot more during the week is hard to manage!

Due to my working hours (9-12am;lunch;2-5pm) its hard to get home before 6-7. Getting up again after a long day like that, when you have to eat something, rest for a little and suddenly realize that its almost 8, becomes a challenge. Most of the time I stay home or within the Barrio(Neigborhood).
But that isn’t that much of a problem. I learn to be on my own and spend my time talking to my cohabiter, the family or watching movies whilst handicrafting with leather and old drinking cans, cutting clips and sorting pictures.
The next day will surely be another day of work.

In addition to my work around Parkour I sometimes take pictures or videos for ARTErias. One time at one of our trainingssessions, so I edited a little clip about the workshop that you can find here.

As you probably can imagine working is a lot of fun besides minor problems.
“Working”,
wa word which in western society often has a negative connotation, is being defined new for me here. It offers a lot of room for self-development. You have time to do the job, except we miscommunicated something. I can live my hobbies and see how the work comes to fruition.
A good feeling!
Only the working schedule leaves a bitter aftertaste, less because of the long hours but rather because of the regular work on Saturday.
Due to that it so far was hard for me to get out of the boundaries of the city and escape into nature to relax and unwind. A lot of nature or trees and parks a Berlinean like me is used to are not there either. And if you are in a park in most cases it cannot compare. They contain a lot of asphalt, insufficient lawn and a couple of trees, thats it.
That can cause quite a stir which is the reason we’ll hold the classes during the weekdays in the summer hollidays we are facing in December, and in the coming year only alternately on saturdays. More freedom to do stuff.
Adventures here I come!

Flashback: Feria Cultural 18.09.2015

An meiner Arbeitsstelle ging es in der ersten Woche an die Vorbereitung der “Feria Cultural”(hier gehts zum Video), die am Freitag stattfinden sollte.
Dabei hat es sich um ein Fest für Kinder gehandelt, bei dem Schulklassen zu einem Tag voller Spaß und Freuden aufgetaucht sind.

Neben einem Animationsteam das die Feier mit peppiger Musik, unterhaltsamen Spielen und Witzen von denen ich keinen Einzigen verstanden habe bei Laune gehalten hat, gab es noch unzählige Aktivitäten an denen man teilnehmen konnte.

Es gab Tänze, man konnte Malen, Töpfern und sich kreativ ausleben, oder aber auch die Kreativität anderer beim betrachten der ausgestellten Kunstwerke, dem Puppentheater oder beim Improvisationsclown Nacho erleben.

Alles in allem ein gut ausgearbeitetes Programm das ein lächeln in die Gesichter gezaubert hat.

 

 

English Version:
One of the first things we had to do at my working place was the preperation of the “Feria Cultural”(check out the video here), that took place the first Friday.
Feria Cultural was a feast for kids, with school classes and groups of Kindergartens coming around for a day of pleasure and fun.

Aside of an animation team, that contributed to the party with playful music, entertaining games, and jokes of which I didn’t understand any, to entertain the crowd, there where numerous other activities to participate in.

There where dances, you could draw and paint, play around with clay and live out your creativity. Or you could get astonished by the creativity of others, with Drawings and Paintings from an artist from ARTErias(the artist collective I’m working in) on display, by the puppet theater, or the clown Nacho with his improvisational performance.

All in all it was a well prepared program that helped to see some happy children running around.

Spielen auf dem Parallelbarren/playing on the parallel bars
Lehrer und Erzieher mit Keramikworkshop im Hintergrund/ Teachers and child care workers with the ceramics workshop in the Background
Wissenschaft leicht gemacht/Science made for Kids
Kindliche Zuneigung/Childrens affection
Kinder spielen am Barren
Kinder spielen am Barren/ Children playing around at the bars

Funktion meines Blogs/Function of my blog

Liebe Mitmenschen,
mein erster Post steht lange aus und ich möchte zunächst meinem Blog eine Richtung geben.
Da ich schon einmal einen Blog geschrieben habe weiß ich, dass ich der langen Texte schreiben schnell müde werde und wollte mich in diesem Bolivien-Blog nun eher auf Fotografien und Videomaterial stützen und mit kleinen Kommentaren ausschmücken, ganz nach dem Motto: Bilder sprechen mehr als tausend Worte.

In unserem Vorbereitungsseminar in Deutschland wurden viele Themen sehr kontrovers behandelt, aber das Eine ist stark hängen geblieben.
The Danger of a Single Story, die Gefahr einer einzigen Geschichte. Dabei geht es in einem Satz zusammengefasst darum, dass es fraglich ist ob man sich eine Meinung aus nur einer Quelle erschließt und daraus ein Weltbild ableitet, denn unsere Geschichten überlappen sich und sind auch nur subjektiv geäußerte Meinungen. Dieses Prinzip ist anwendbar auf jeglichen Themen, aber in meinem Fall nun auf Bolivien.

Auch Bilder sprechen Geschichten und ob und inwieweit meine euer Weltbild nun beeinflusst und verändert, kann ich vom jetzigen Standpunkt her nicht sagen. Ich möchte jedoch darum bitten das ihr euch nicht ausschließlich meinen Blog zur Meinungsbildung anseht, sondern euch darüber hinaus durch diverse Medien und Blogs verschiedener Freiwilliger hier andere Geschichten erzählen lasst.

Demnach soll mein Blog Facetten Boliviens aufzeigen, nicht aber die Wahrheit widerspiegeln.

BKHW Volunteers 2015
BKHW Volunteers 2015
BKHW Cruceños 2015/2016
BKHW Cruceños 2015/2016

Fellow Americans and other English speaking people,
my first blog-entry had a long time coming and with it I want to give a direction of how I’m imagining it to look like.
Since I’ve wrote one a couple of years ago I know that I get tired of writing long texts quickly which is why this blog will rather use photographs and videoclips to show some aspects of my daily live here in Bolivia.

In our preparation seminar in Germany we embraced a lot of topics about voluntary years some of which were very controversial, but one of them stayed in mind clearly until now: “the danger of a single story.
In short that means that it is questionable to only make up ones mind through a single source and paint a picture about something from it. Our stories overlap and in the end are only subjective sentiments.
This principle one can use for any topic, in my case for Bolivia.

Pictures and videos tell stories as well as writings, and to what extend my blog will influence your world view is something I cannot say. I urge you though to not only read my blog and draw a picture from it but to use several sources like other blogs and media to tell you stories about this place.

My Blog therefore is here to show some aspects of Bolivia, not to mirror the truth.